Strassenkinder – Hintergrund

Straßenkinder: Hintergrund

Das Projekt wurde 2010 begonnen.
Straßensozialarbeiter suchten die Kinder an den sozialen Brennpunkten der Stadt auf und boten ihnen eine Alternative zu ihrem aktuellen Leben: ein angemietetes Haus bot "informellen Unterricht" und Essen und etwas zu trinken für anfangs bis zu 60 Kinder. Hieraus bildete sich eine Gruppe von 30 Kindern.

Am 01.01.2017 traten wir bereits in die 6. Projektphase (bis 31.12.2019) ein. Straßenkinder sind fester Bestandteil der EDGET-Aktivitäten! Unser Konzept besteht aus 3 Pfeilern:

A Tages-Kinderhaus für täglich bis zu 200 Kindern; ca. 3.000 Kinder/Jugendliche sind im Fokus der ambulanten Betreuer. Das wird in Eigenregie betrieben von unserem Partner Center of Concern, finanziert von GOAL, Irland.

B Kinderhaus - 24 Stunden- Betreuung - bis zu 30 Kinder bis maximal zum 18. Lebensjahr. Ein EDGET-Projekt, das auf INTEGRATION der Kinder abzielt. Die Zahl der Kinder wird zunehmend reduziert, frei werdende Mittel umgewidmet: Mittelfristig wollen wir DIREKT an den Brennpunkten ansetzen, in den Gebieten, die ursächlich sind für den straken Zustrom von Straßenkindern in der Regionalhauptstadt Awassa. Wir unterstützen Schulbau, bauen sanitäre Einrichtungen, fördern den Aufbau von Lernzentren (Bibliotheken) und unterstützen IGA-Programme (IGA = Income Generating Activities, z. B. Förderung von Kleingewerbe mittels Trainings und -in Einzelfällen- Mikro-Krediten, die zinslos vergeben werden und mit dem Gesamtkonzept veeinbar sein müssen.)
C Stipendienprogramm (Lernstipendien)
Dieses Programm fördert in erster Linie begabte Mädchen aus besonders benachteiligten Familien, keine Straßenkinder. Sozialarbeiter können aber einzelne Kinder aus dem Straßenkinderhaus auch im Anschluss an den Aufenthalt im Kinderhaus mit einem Stipendium fördern.

Das Tages-Kinderhaus A bietet heute etwa 3.000 Kindern und Jugendlichen die allererste Anlaufstelle in der Stadt: einen sicheren Ort! ... und: Waschen, Duschen, medizinische Hilfe, Lebenshilfe, psychologische Beratung, Life-Skill-Training... Das Programm ist sehr umfangreich und wird unabhängig von EDGET gesteuert und finanziert (von GOAL, Irland); dieser Teil ergänzt unser Programm wunderbar! Wir kennen die Programmpapiere, die Mitarbeiter und haben uns alles vor Ort angeschaut. Es ist eine Ergänzung, die wir uns als kleiner Verein nicht hätten leisten können. Unser Kernprojekt, das Kinderhaus, überzeugte GOAL, dieses Tageshaus zu initiieren. Berichte der Mitarbeiter sprechen von einer 40%igen Erfolgsquote bei der Integration der Kinder.
EDGET konzentriert sich auf die Programme B + C.

Im Straßenkinderhaus (Übergangshaus = B) lernen die Neuankömmlinge mehr als nur lesen, schreiben und rechnen. Sie bekommen mehrere Mahlzeiten am Tag, "Life Skills" und eine maßgeschneiderte Vorbereitung auf die öffentliche oder eine private Schule. Die Kinder werden personalintensiv betreut. Die meisten Kinder sind heute bereits in private/öffentliche Schulen integriert und eine größere Zahl der Kinder ist bereits aufgrund ihres Ehrgeizes in der Spitzengruppe ihrer jeweiligen Klassen! Ziel bleibt es, die Kinder - wenn möglich - in ihre (Rest-)Familien zu re-integrieren. Wir haben die Konzepte von Straßenkinderhaus und Waisenhaus aufeinander abgestimmt und unterhalten seit 2014 nur noch 1 Haus. Kosten pro Kind ca. 75 €/Monat. Im September 2016 zogen wir wieder um: wir haben vom Roten Kreuz ein großes Gelände in bester Lage Awassas anmieten können... Wir denken zurzeit darüber nach, das Kinderhaus mittelfristig aufzugeben, stattdessen ein Lernzentrum für benachteiligte Kinder in Awassa einzurichten mit Lehrern und Büchern / einigen Laptops. Von der beruflichen Bildung haben wir uns aus Kostengründen verabschiedet und sehen andere Institutionen, die das besser können als Ansprechpartner für uns. Das betreuungsintensive Kinderhaus wird dann mittelfristig zugunsten von Einrichtung eines Lernzentrums, Basisarbeit an Brennpunkten und Stipendienvergabe abgelöst. Das erscheint effektiver zu sein (s.o.). Den Kinderhaus-Kindern sollen allerdings zuerst sinnvolle Wege aufgezeigt werden, die von uns auch noch eng betreut werden. Augenblicklich sind noch 22 Kinder im Kinderhaus, diese Zahl kann ab März 2019 auf 19 abgesenkt werden.

Über folgende Grundsätze besteht Einigkeit:

  • Freie Unterkunft, erzieherische Unterstützung, Essen (gesunde Ernährung) und sauberes Trinkwasser, medizin. Versorgung, Kleidung, Schulbrot, Schuluniform
  • Entwicklung vor dem Hintergrund eigener kultureller Identität
  • Ein Leben frei von Angst vor Gewalt und Missbrauch
  • Psycholog. Begleitung: Trauerarbeit/Traumatherapie
  • Förderung von Selbstbewusstsein und individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • Gemeinsame, gleichberechtigte Erziehung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 – 18 Jahren in einer Atmosphäre des Vertrauens
  • Der besonderen Lage der Mädchen in Äthiopien wird Rechnung getragen
  • Die Kinder wurden in Abstimmung mit den relevanten Jugendbehörden  und nach Besuchen der Restfamilien (wenn noch vorhanden) ausgesucht. Wenn immer möglich, werden bestehende Familienbande weiterhin gepflegt und gestärkt. Die Kinder werden re-integriert, wenn die sorgfältig geprüften "Ersatz"-Familien geeignet erscheinen. Eventuelle finanzielle Hilfen werden im Stipendienprogramm durch unser Fachpersonal individuell erörtert. Pädagogik- Studenten der Uni Awassa bieten Förderunterricht in allen Fächern an, sowie „Lebenshilfe“
  • bestmögliche (Privat-)Schulangebote, die die Förderung der Kinder am besten gewährleisten können
  • Religionsfreiheit

Auf einen Blick

  • 19 Jungen und Mädchen im Alter von 8 - 18 Jahren

  • guter Unterricht an privaten Schulen mit Schulabschluss

  • 3 Heimmütter und 1 Sozialarbeiterin, 2 Lehrer

  • Re-Integration in "Restfamilien" wird angestrebt, mittelfristiges Ziel: das Haus überflüssig zu machen. "Familie ist besser als Heim" - im Grundsatz.

  • Nach Schulabschluss: Universität oder Berufsausbildung
    (Übergang ins Stipendienprogramm)