Jörn Bernhardt erhält das Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz in Äthiopien

Der Bundespräsident hat Jörn Bernhardt das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein langjähriges Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit im südäthiopischen Awassa verliehen. Im Rahmen einer Feier für geladene Gäste (Familie und EDGET) wurde der Verdienstorden von Frau Staatsrätin Liv Assmann im Hamburger Rathaus ausgehändigt. Glückwunsch! Der Verein freut sich mit Jörn.

Die Rede von Jörn Bernhardt anlässlich der Feierstunde im Rathaus:

Sehr geehrte Frau Assmann, liebe Gundi, liebe LLL-Familie (und sehr verehrte Damen und Herren),
was für eine Überraschung!
Ich war doch einigermaßen erschrocken, als ich den Brief las, der mir am 11.12.2025 zugestellt wurde. Ein Bundesverdienstkreuz. Für mich? Die ehrenamtliche Arbeit ist doch selbstverständlich!
Und: habe ich nicht viele Menschen um mich herum, die es genauso verdient hätten?
Vielen Dank an den Bundespräsidenten und SIE FRAU ASSMANN, dass Sie mit der heutigen Zeremonie ein Auge auf unsere Arbeit geworfen haben. Die Ehrung nehme ich gerne stellvertretend wahr. Vielen Dank, Frau Assmann, für die Organisation dieser Feier!
Danke auch an Herrn Konsul Köhler, dass er -ein Freund Äthiopiens - zu dieser Feier gekommen ist.
Ein weiterer erster Dank gebührt meiner Frau GUNDI, die einen fast 50 Jahre-langen Weg mit mir gemeinsam ging – und meiner großen Familie!
Du begannst unserem Verein Leben einzuhauchen … … an einer nahegelegenen Primary School, der EDGET BAANDNET Primary, in Awassa, unserem Einsatzort in Äthiopien. Als ehemalige Lehrerin und seit 2009 als Schulleiterin und vor allem als GUNDI ist Dein Koordinatensystem immer auf KINDER ausgerichtet. Du hast immer tief nachempfunden, dass die Lebensbedingungen der KINDER im Vergleich UNGERECHT sind.
Ein großer Dank gebührt den Mitgliedern unseres Vereins. DANKE für Eure großartige Unterstützung, ohne die es nicht diese Erfolgsgeschichte gegeben hätte!

Mein letzter Einsatz für die Deutsche EZ war der Startschuss, dafür dass Äthiopien uns alle nicht mehr loslässt… LIVE, LOVE & LEARN wurde unser Vereinsmotto.
Nach meiner Pensionierung 2010 war ich dann im Ehrenamt - Gundi im JOB als Schulleiterin - und ich reiste bis 2020 13 x nach Äthiopien, häufig in Begleitung von einzelnen Vereinsmitgliedern.

Unser gemeinnütziger Hamburger Verein ist sehr klein, aber vor Ort ist unsere Partnerorganisation groß geworden. Wie geht das?

Das hat etwas mit meinem JOB zu tun als Entwicklungshelfer. Da schiebe ich mal ein paar Anmerkungen ein, um das Hintergrundbild deutlicher zu zeichnen:
Mein Weg als Entwicklungshelfer begann eigentlich im Sommer 1984 mit einer Reise nach Zimbabwe, im Herbst 1986 hauptberuflich als Messegeschäftsführer in Swaziland!
Daraus entwickelten sich bis heute – nach 40 Jahren - Erfahrungen in vielen Ländern auf allen Ebenen der EZ: als Entwicklungshelfer, als integrierter Experte, ehrenamtlich für den SeniorExpertenService und verschiedentlich als Regierungsberater für die GIZ in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. In Kurzzeiteinsätzen schrieb ich Gutachten und war als Berater tätig. Da hat sich einiges an Erfahrungen angesammelt, die nützlich waren und sind für unseren Verein.

Meine letzte Station vor meiner Pensionierung 2010 war also ÄTHIOPIEN, hier begann die Geschichte unseres Vereins, 2007.

Unser Alleinstellungsmerkmal hat sich vor dem Hintergrund meines Berufes entwickelt:
Hilfe zur Selbsthilfe in neuer Form.
Mittelakquise geschieht vor Ort, in Äthiopien, in dem wir unseren Partner beraten, wie ER finanzielle Mittel akquiriert.
„Education is the key“- Unsere Spendengelder finanzieren in allen Projekten 200 Mädchenpatenschaften bis zum Uni-Abschluss, Schulbau, Frauen-Start-Ups und IGA für Jugendliche … etwas, was vor Ort sonst nicht möglich wäre.

Es entwickelte sich in 20 Jahren ein auf solidem Fundament stehender, eingetragener, gemeinnütziger Verein, der kontinuierlich wuchs.
Dass aus Schuhputzern und Straßenkindern Ärzte, Apotheker, Lehrer, Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern und Ingenieure werden können, ist für uns Projektalltag geworden.
Unsere Projektschwerpunkte liegen heute – 2026 - nach wie vor in Awassa, Äthiopien und seit ein paar Jahren auch im Slum von Kampala (Uganda).
Einer meiner Vorgesetzten im Ausland fragte mich einmal
„Jörn, was treibt Dich eigentlich an!?“ …
Als Nachkriegskind, geboren 1947, hatte ich mit Eltern und Großeltern zu tun, die Wesentliches aus Ihrer Vergangenheit verschwiegen. Viele Fragen blieben offen nach dem Tod von Großvater und Vater. Erklärende Debatten gab es nie.
Neue Recherchemöglichkeiten öffneten mir die Augen für lange Verschwiegenes: Der letzte Mosaikstein fügte sich ins Bild – jetzt gerade im APRIL!

Unbewusst und z.T. bewusst verspürte ich den Drang, GUTES zu tun, zu HELFEN, WIEDERGUTMACHUNG für meine Kinder zu leisten. Die Antwort an meinen ehemaligen Vorgesetzten aus dem Jahre 2006 ist mir seit einiger Zeit klar!

Meine Tränen haben mir aufgezeigt, dass die Nachkriegsgenerationen (mein ältester Sohn ist 54 J. alt) immer noch eine „geheime Last“ tragen. Aber wie stoppen wir diesen Prozess, dass immer weiter alte Traumata übertragen werden? Ich spüre immer noch diesen Antrieb, bin heute „klarer denn je“ und mit FREUDE im EHRENAMT.

ÄTHIOPIEN mit seinen mehr als 80 Völkern trägt historische Lasten, leidet unter den von der Weltöffentlichkeit nicht beachteten, grausamen Binnenkonflikten, historisch hochkomplex, voller Widersprüche. Wir sind da nur ein Sandkorn im Weltgeschehen,
aber das Leiden von KINDERN & Jugendlichen unter der Politik von Erwachsenen (meist Männern) wollen wir als gemeinnütziger Verein nicht so lassen, da mischen wir uns ein!

Mit der Gründung des ersten Waisenhauses begann die Geschichte unseres Vereins LIVE, LOVE & LEARN im Jahre 2006. Diese Geschichte wollen wir noch viele Jahre fortschreiben. Ich mache weiter und reise für Live, Love & Learn und den SES solange es geht … mit klarem KOMPASS meiner Frau im Gepäck.

Hamburg, 04. Mai 2026
Informationen, Kontakt und Spenden unter www.edget.org